Auf einen Blick – was sollte jeder Arzt über Immunonkologie wissen?


Immunonkologische Medikamente (Immun-Checkpoint-Inhibitoren) werden bei Patienten mit unterschiedlichen Krebserkrankungen erfolgreich angewendet – in der Regel in fortgeschrittenen und/oder metastasierenden Krankheitsstadien. Die Immunonkologie ist damit heutzutage ein wesentlicher Pfeiler der Krebstherapie. Zu den Tumorentitäten, bei denen immunonkologische Substanzen eingesetzt werden, zählen:
Kopf-Hals-Tumoren, nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom, malignes Melanom, Merkelzellkarzinom, Hodgkin-Lymphom, Multiples Myelom/Plasmozytom, Nierenzellkarzinom einschließlich klarzelliges Nierenkarzinom und Urothelkarzinom.1 Wichtig ist es, die Grundprinzipien der Therapie zu verstehen und mögliche Nebenwirkungen rechtzeitig zu erkennen.

Was versteht man unter Immunonkologie?

Die Immunonkologie ist eine Form der Immuntherapie gegen bestimmte Krebserkrankungen, bei der Tumorzellen mithilfe des eigenen Immunsystems bekämpft werden.2

Wie wirken Immun-Checkpoint-Inhibitoren?

Immunonkologische Medikamente hemmen immuninhibitorische Moleküle, sogenannte Immun-Checkpoints, auf der Oberfläche von T-Zellen und aktivieren bzw. reaktivieren so die antitumorale Immunantwort.2

Das Video zeigt, wie Tumorzellen Immuncheckpoints manipulieren, um der Immunantwort zu entgehen (Immun-Escape) und wie Checkpoint-Inhibitoren die antitumorale Immunantwort reaktivieren

Immun-Escape von Tumoren und Reaktivierung der antitumoralen Immunantwort durch Immun-Checkpoint-Inhibitoren2

Welche immunvermittelten Nebenwirkungen können bei einer Checkpoint-Inhibitor-Therapie auftreten?3

Aufgrund der Immunaktivierung besteht bei einer Therapie mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren in Mono- und insbesondere bei immunonkologischer Kombinationstherapie das Risiko des Auftretens immunvermittelter Nebenwirkungen.

Zu den immunvermittelten Nebenwirkungen bzw. Autoimmunphänomenen, die im Rahmen einer Therapie mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren auftreten können, zählen z. B.:

  • Kolitis
  • Endokrinopathien (Thyreoiditis, Hypophysitis, Adrenalitis, Diabetes mellitus)
  • Hautreaktionen und Nebenwirkungen am Auge
  • Kardiale Nebenwirkungen (u. a. Myokarditis, Kardiomyopathie, akutes Herzversagen)
  • Nephritis und renale Dysfunktion
  • Pneumonitis
  • Hepatitis und Pankreatitis
  • Neurologische Nebenwirkungen, die das zentrale und periphere Nervensystem betreffen (u. a. Guillain-Barré-Syndrom, Enzephalopathie, Paralyse, periphere Neuropathien)
  • Hämatologische Nebenwirkungen (u. a. Anämie und Thrombozytopenie)
Aufgrund der Aktivierung des Immunsystems ist bei einer Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren das Risiko für immunvermittelte gastrointestinale, hepatische, neurologische, endokrine und sonstige Nebenwirkungen erhöht.

Symptome und klinische Zeichen immunvermittelter Nebenwirkungen3

Frühes Erkennen und Behandeln insbesondere der immunvermittelten Nebenwirkungen ist wichtig, um unter Umständen lebensbedrohliche Komplikationen zu minimieren. Manche Nebenwirkungen unter einer immunonkologischen Therapie ähneln auch den Nebenwirkungen anderer onkologischer Therapien (u. a. Fatigue, Hautausschlag, Diarrhö, Pruritus, Übelkeit, Appetitminderung). Vermutete Nebenwirkungen müssen umgehend beurteilt werden, um infektiöse oder andere alternative Ursachen auszuschließen.

Bitte beachten Sie die Fachinformation des jeweils angewendeten Arzneimittels!

Informationen zum sicheren Umgang mit immunonkologischen Substanzen von Bristol Myers Squibb finden Sie auf unseren Produktseiten

Wie werden immunvermittelte Nebenwirkungen behandelt?3,4

Meist sind Nebenwirkungen einer Therapie mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren gut zu beherrschen.

  • Je nach Schweregrad der Symptome sollte die Behandlung mit dem betreffenden Checkpoint-Inhibitor aufgeschoben oder dauerhaft abgesetzt werden und eine systemische, hochdosierte Kortikosteroid-Therapie kann erforderlich sein. Die frühzeitige Gabe von Glukokortikoiden kann immunvermittelte Nebenwirkungen verkürzen und Komplikationen, z. B. Darmperforationen, vermeiden
  • Bei Besserung kann die Behandlung nach Ausschleichen der Kortikosteroid-Therapie fortgesetzt werden
  • Bei endokrinen Nebenwirkungen steht die symptomatische Therapie bzw. Hormonsubstitution im Vordergrund
  • Bei lebensbedrohlichen und bei erneut auftretenden schweren immunvermittelten Nebenwirkungen muss die Behandlung dauerhaft beendet werden

Wichtig zu wissen: Wird die Therapie wegen Nebenwirkungen unterbrochen, ist die Wirksamkeit der Immun-Checkpoint-Inhibitoren nicht verringert. Patienten sollten daher unbedingt darüber aufgeklärt werden, Nebenwirkungen nicht aus Angst vor einem Abbruch der Behandlung zu verschweigen.

Bitte beachten Sie die Fachinformation des jeweils angewendeten Arzneimittels!

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Welche Therapieverlaufskontrollen werden empfohlen?3

Unter einer Therapie mit einem Immun-Checkpoint-Inhibitor sollte geachtet werden auf:

  • Klinische Symptome: Besteht der Verdacht auf eine Nebenwirkung, muss die Ursache der Symptome vor (erneuter) Verabreichung eines Immun-Checkpoint-Inhibitors abgeklärt werden.
  • Laborwertabweichungen u. a.:
    • Elektrolytveränderungen
    • Transaminasen, Lipase/Amylase
    • Kreatinkinase
    • Schilddrüsenwerte
    • Kreatinin
    • Blutbild

Die Patienten sind kontinuierlich zu überwachen, auch Monate nach der letzten Gabe, da Nebenwirkungen jederzeit während oder nach Absetzen der Therapie auftreten können. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) empfiehlt, mit einem Checkpoint-Inhibitor behandelte Patienten bis mindestens fünf Monate nach der letzten Dosis zu überwachen5

Bitte beachten Sie die Fachinformation des jeweils angewendeten Arzneimittels, insbesondere auch zu den Monitoring-Intervallen!

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Nebenwirkungen erkennen und den behandelnden Arzt informieren!

Unter der Krebstherapie mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren kann eine ganz neue Art von Nebenwirkungen auftreten: die sogenannten immunvermittelten Nebenwirkungen. Diese Nebenwirkungen sind entzündlicher Natur und unterscheiden sich von denen der herkömmlichen Chemotherapien und zielgerichteten Krebstherapien. Werden Krebspatienten mit einer immunonkologischen Substanz behandelt, ist die Erkennung möglicher Nebenwirkungen daher eine wesentliche Aufgabe von Pflegekräften und medizinischem Fachpersonal.

Aufgrund der Aktivierung des Immunsystems ist bei einer Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren das Risiko für immunvermittelte Nebenwirkungen erhöht.

Überblick über Symptome immunvermittelter Nebenwirkungen3

Infos zu immunvermittelten Nebenwirkungen3,4

Wie häufig? Während und auch nach einer immunonkologischen Therapie können immunvermittelte Nebenwirkungen auftreten. Bei einem Teil der Patienten sogar schwerwiegende Nebenwirkungen. In klinischen Studien zeigte sich ein häufigeres Auftreten von Nebenwirkungen unter einer Kombinationstherapie im Vergleich zur Monotherapie. Am häufigsten sind Haut, Darm, Leber und endokrine Organe betroffen.

Wie stark? Betroffene Patienten können sehr ausgeprägte, manchmal unspezifische Symptome zeigen, die lebensbedrohlich werden können, wenn sie nicht zügig erkannt und behandelt werden.

Wann? Während die meisten Nebenwirkungen in der Regel in den ersten Monaten der immunonkologischen Therapie beobachtet werden, kann es auch noch Monate nach der letzten Dosis der immunonkologischen Therapie zu immunvermittelten Nebenwirkungen kommen.

Wie behandeln? Mit einem vom Arzt rechtzeitig eingeleiteten konsequenten Management nach speziell entwickelten Leitlinien sind die Nebenwirkungen in den meisten Fällen gut beherrschbar. Bei leichten Nebenwirkungen kann häufig die immunonkologische Krebstherapie weitergeführt werden.

Weitere wertvolle Informationen und Tipps für onkologische Pflegekräfte und medizinisches Fachpersonal nicht nur zur Immunonkologie

Thallinger C, Fureder T, Preusser M et al. Review of cancer treatment with immune checkpoint inhibitors : Current concepts, expectations, limitations and pitfalls. Wien Klin Wochenschr 2018; 130: 85-91.
Pardoll DM. The blockade of immune checkpoints in cancer immunotherapy. Nat Rev Cancer 2012; 12: 252-264.
Heinzerling L, de Toni EN, Schett G et al. Checkpoint Inhibitors. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 119-126.
Brahmer JR, Lacchetti C, Schneider BJ et al.Management of Immune-Related Adverse Events in Patients Treated With Immune Checkpoint Inhibitor Therapy: American Society of Clinical Oncology Clinical Practice Guideline. J Clin Oncol 2018; 36: 1714-1768.
Heymans L, Mentzer D, Keller-Stanislawski B.Verdachtsfälle unerwünschter Reaktionen von Checkpoint-Inhibitoren aus Deutschland. Bull Arzneimittelsich 2016; 4: 11-18.

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